Verbreitung

Vorbemerkungen

Unabhängig von Alter, Geschlecht, genetischer Präposition, sozialer Herkunft oder Hautfarbe – Hämorrhoiden sind eine Volkserkrankung, von der wohl jeder Mensch im Laufe seines Lebens selbst oder durch Angehörige betroffen ist.Die Ätiologie der Hämorrhoiden ist bisher noch nicht vollständig erforscht. Den bisherigen Theorien zufolge gibt es allerdings breit gefächerte Ursachen für die Erkrankung des sogenannten Hämorrhoidalpolsters, der gefäßdurchzogenen Schleimhaut des Mastdarms.

Ursachenvielfalt könnte letztlich eine Möglichkeit für die enorme Verbreitung dieses Leidens seins. Exakte Aussagen zum Auftreten von Hämorrhoidalbeschwerden lassen sich jedoch nicht treffen. Hierfür spielt in erster Linie die gesellschaftliche Tabuisierung aller Themen eine Rolle, die den After betreffen.

Der eigene Anus wird zudem oft als unästhetisch empfunden. Vor allem im Anfangsstadium der Krankheit trauen sich Betroffene daher nicht, einen Arzt aufzusuchen. Es kann hernach von einer entsprechend hohen Dunkelziffer Erkrankter ausgegangen werden. Darüber hinaus zeichnet sich möglicherweise die polyseme Verwendung des Begriffs „Hämorrhoiden“ dafür verantwortlich, dass kaum valide geomedizinische und epidemiologische Daten vorliegen.

Denn Hämorrhoiden sind einerseits lediglich das genannte Schleimpolster des Mastdarms, welches jeder Mensch besitzt, andererseits wird die Beschwerden verursachende Veränderung dieses Gewebes ebenso bezeichnet. Letztlich basieren abweichende Verbreitungsangaben auch auf ungenauen Differenzierungen von Hämorrhoidalleiden und weiteren hyperplastischen Veränderungen des hämorrhoidalen Gewebes sowie unterschiedlichen Definitionen in der medizinischen Fachliteratur.

Alle Daten zur Verbreitung von Hämorrhoiden beruhen folglich auf Schätzungen und können abhängig von den jeweiligen Fachpublikationen variieren. Eine statistische Grundlage bilden in der Hauptsache Studien aus den USA sowie Krankenhausdaten oder Onlineumfragen.

Verbreitung von Hämorrhoiden

Die Verbreitung von Hämorrhoiden kann geschätzt, aber nicht belegt werden, da nach wie vor viele erkrankte Personen aus falscher Scham keinen Arzt aufsuchen und sie demnach auch nicht in den Statistiken auftreten. Dabei haben sich Hämorrhoiden zu einer Erkrankung entwickelt, welche fast alle Menschen im Laufe des Lebens ereilt.

Hämorrhoiden können fast als eine Volkskrankheit bezeichnet werden. Vor allem in einer Gesellschaft, in der die Menschen den ganzen Tag im Büro vor dem Computer sitzen und ihr Mittagessen in Fast Food Restaurants einnehmen, nimmt die Verbreitung der Krankheit zu. Es kommt zu häufigen Verdauungsstörungen, sodass entsprechend vehement gepresst werden muss, um den Darm zu entleeren. Diese Verbreitung von gesundheitsbedenklichen Lebensgewohnheiten, trägt dazu bei, dass Hämorrhoiden keine Ausnahmeerscheinung mehr sind.

Diese Verbreitung gibt Anlass zum Nachdenken. Anscheinend wissen viele Personen nicht, wie Hämorrhoiden entstehen und können diesen demnach nicht vorbeugen.

Früher wurde angenommen, dass etwa jeder Zweite Probleme mit Hämorrhoiden hat. Diese Annahme wurde revidiert. Inzwischen ist klar, dass eher 70-80 Prozent Schmerzen haben oder während des Stuhlgangs aus dem After bluten. Besonders erschreckend ist, dass diese Verbreitung bisher nicht dazu beigetragen hat, dass diese Krankheit keinem Tabu mehr unterliegt.

Nach wie vor ist es vielen erkrankten Personen peinlich über ihre Beschwerden zu reden und einen Arzt aufzusuchen. Dies trägt dazu bei, dass die Betroffenen sich über lange Zeit hinweg quälen und sich nicht eingestehen wollen, dass auch viele andere mit diesem unangenehmen Problem zu kämpfen haben und dies bei Weitem nichts ist, wofür man sich schämen müsste.

Die Verbreitung der Hämorrhoiden nimmt immer mehr zu, denn der moderne Mensch bewegt sich wenig und isst gleichzeitig viel Fast Food. Da so viele Menschen mit Hämorrhoiden zu kämpfen haben, sollte dieses Thema auch kein Tabu mehr darstellen, denn nur so kann Aufklärung stattfinden und dieser Erkrankung vorgebeugt werden.

Historische Indizien für die epidemiologische Häufigkeit von Hämorrhoiden

Bereits in einem der ältesten Texte zu Medizin und Biologie, dem „Papyrus Ebers“ (ca. 1550 v.u.Z. im Alten Ägypten), wird auf die Existenz von Hämorrhoiden hingewiesen und eine Kräutertherapie empfohlen. Obgleich in dieser Sammelhandschrift etliche Krankheiten mit annähernd 1000 Behandlungsmöglichkeiten thematisiert werden, gilt der „Papyrus Ebers“ vor allem als Überblick über die damals verbreiteten, häufigen Erkrankungen. Beispielsweise finden sich auffällig viele Einträge zu Darmparasiten wie Spulwürmer oder Bandwürmer. Insofern verweist die Nennung von Hämorrhoiden darauf, dass dieses Leiden alltäglich war.

Auch in den folgenden gängigen medizinischen Werken der Geschichte, etwa dem Schriftencorpus des Hippokrates, dem indischen Sushruta Samhita oder Paulos von Aiginas „Medizinischer Sammlung“, werden Hämorrhoiden eingängig behandelt und Therapiemöglichkeiten diskutiert. Selbst in der Bibel finden sie Erwähnung. Es liegt also nahe, dass genügend „Untersuchungsmöglichkeiten“ sowie die Notwendigkeit einer Thematisierung vorlagen.

Das heute geläufige Gerücht, diese Erkrankung beträfe in der Vergangenheit vor allem wohlhabende Personen, beruht vermutlich auf historischen Anekdoten zu diesem Thema. Bekannt ist beispielsweise, dass zum engeren Kreis der Pharaonen stets der sogenannte „Wächter des Anus“, ein Darmspezialist, gehörte, der die Entstehung von Hämorrhoiden überwachte und diese gegebenenfalls behandelte.

Oft erwähnt wird in diesem Zusammenhang auch die Theorie, dass Napoleon die Schlacht bei Waterloo verlor, da er aufgrund von Hämorrhoiden nicht im Sattel sitzen und das Gefecht überwachen konnte. Darüber hinaus ist bei weiteren berühmten Persönlichkeiten ein Hämorrhoidalleiden bezeugt: beispielsweise bei Martin Luther, Heinrich V. oder dem französischen König Ludwig XIII.

Summa summarum kann festgehalten werden, dass Hämorrhoiden in allen Kulturen bereits seit den Anfängen der Medizin bekannt waren und vermutlich zu den üblich auftretenden intestinalen (den Darm betreffenden) Krankheiten gehörten.

Weltweites Auftreten von Hämorrhoiden

Die Prävalenz von Hämorrhoiden wird zumeist mit durchschnittlich 4 % der weltweiten Bevölkerung angegeben. Vor allem in den westlichen Industrieländern soll annähernd jeder zweite Erwachsene über 35 mindestens einmal an Hämorrhoidalbeschwerden leiden. Einigen neueren Schätzungen zufolge könnte demnach eine Hämorrhoidenprävalenz von bis zu 40 % bei Erwachsenen vorliegen. Jedoch nur circa 15 % der vermutlich Betroffenen erreichen ein derart fortgeschrittenes Krankheitsstadium, dass chirurgische Eingriffe notwendig werden.

Gleichzeitig zeichnet sich in diesen Fällen eine hohe Rezidivrate (erneutes Auftreten) ab: Mehr als die Hälfte der Patienten, die bereits aufgrund von Hämorrhoiden in Behandlung waren, müssen sich nach einigen Jahren erneut einer Therapie unterziehen. Aus diesem Grund bezweifeln einige Fachärzte die hohe Inzidenz und nehmen an, dass bei den ersten Untersuchungen fälschlicherweise andere Erkrankungen der Afterregion als Hämorrhoiden diagnostiziert und behandelt wurden.

Häufig wird darauf hingewiesen, dass sich die Situation in den wirtschaftlich schwachen Regionen der Erde anders gestalte. Hämorrhoidalbeschwerden träten vor allem in ländlichen Gebieten sowie in Afrika nur selten auf. So verzeichnen Länder wie Albanien, die Mongolei, Ghana oder Osttimor angeblich eine Prävalenz von weniger als einem Prozent. Ärzte führen dies hauptsächlich auf eine Ernährung ohne Fertigprodukte und Zusatzstoffe zurück. Belege gibt es hierfür allerdings nicht. Abgesehen davon könnte die mangelhafte medizinische Versorgung in diesen Gebieten eine tatsächliche Ausbreitung der Krankheit auch verschleiern.

Immerhin liegen in 70 % der weltweit gewerteten Fälle lediglich Hämorrhoiden des ersten Grades vor, die von Betroffenen nicht zwangsläufig als medizinisch relevant eingeschätzt werden. Zudem begünstigt unzureichende Hygiene, die überwiegend in Entwicklungsländern ein Problem darstellt, die Entstehung und Verschlechterung von Hämorrhoiden. Einem eklatanten Zusammenhang zwischen ihrem Auftreten und moderner Ernährung widerspricht zudem auch die historische Prävalenz.

Verbreitung von Hämorrhoiden hinsichtlich des Alters der Betroffenen

Die Medizin ist sich vergleichsweise einig darüber, dass vor allem Menschen über 30 von Hämorrhoiden betroffen sind. Mit zunehmenden Alter steigt zudem das Risiko einer Ersterkrankung. Im Allgemeinverständnis hat sich daher der Glaube manifestiert, Hämorrhoiden seien eine Krankheit, die ausschließlich bei älteren Menschen auftritt. Das bedeutet jedoch nicht, dass jüngere Personen niemals betroffen sind.

Einige gastrointestinale Krankheiten, insbesondere chronische Durchfallerkrankungen, gelten als ursächlich für die Entstehung von Hämorrhoidalbeschwerden auch bei jungen Menschen. Besonders sie erleben diese Erkrankung häufig als enorm problematisch und psychisch belastend. Es ist folglich naheliegend, dass sich in dieser Altersgruppe der unter 30-Jährigen die höchste Dunkelziffer an Betroffenen befindet.

Abhängigkeit von Geschlecht und Auftreten von Hämorrhoiden

Auch hinsichtlich des Verhältnisses von Geschlecht und Disposition zu Hämorrhoidalbeschwerden gehen die Meinungen der Sachverständigen auseinander. In den meisten Fällen wird ein Geschlechterunterschied bestritten. Einige Ärzte vertreten indessen die Ansicht, dass sich eine Schwangerschaft ungünstig auf das Hämorrhoidalpolster auswirkt und daher Frauen häufiger von Veränderungen dieser Region betroffen sind als Männer.

Dass Fallzahlen diese Theorie nicht stützen, mag im Wesentlichen mit dem gesellschaftlichen Druck zusammenhängen, dem sich Frauen oft ausgesetzt fühlen: Hämorrhoiden werden als ekelerregend, peinlich oder unästhetisch angesehen, wodurch insbesondere weibliche Betroffene aus Scham keinen Arzt aufsuchen.

Derzeit zeigen die Diagnosedaten von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen noch, dass Männer sich häufiger einer Hämorrhoidentherapie unterziehen als Frauen. Dies resultiert jedoch daraus, dass Bettlägerigkeit von männlichen Patienten im hohen Alter besonders wahrscheinlich mit Hämorrhoiden einhergeht. Zudem besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Prostataerkrankungen und hyperplastischen Mastdarmveränderungen. Unter diesem Gesichtspunkt beobachtet das zuständige Pflegepersonal die Analregion dieser Risikogruppe besonders intensiv.

Sozioökonomische Faktoren der Verbreitung von Hämorrhoiden

Es überrascht, dass neuere Studien einen Zusammenhang zwischen sozioökonomischen Status und Vorliegen eines Hämorrhoidalleidens bestätigen. Offenbar sind statistisch häufiger Menschen betroffen, die einen gering qualifizierten Berufe oder Hilfstätigkeiten ausüben.

Je höher demgegenüber die soziale Stellung einer Person ist, desto seltener scheinen Hämorrhoiden aufzutauchen. Lange galten lediglich Berufe als risikobehaftet, die langes Sitzen erfordern. Jetzt zeigt sich jedoch, dass Kassierer ebenso häufig betroffen sind wie Raumpflegerinnen oder Lagerarbeiter. Hingegen stellen Menschen in gehobenen Positionen wie beispielsweise Lehrer, Politiker oder Juristen nur circa 1 % der Erkrankten.

Diese neuen Erkenntnisse widerlegen den allgemeinen Irrglauben, Hämorrhoiden seien eine Krankheit reicher Leute.

Vermeintlicher Anstieg der Fallzahlen

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass die Inzidenzrate hämorrhoidaler Erkrankungen signifikant ansteige. So wurden beispielsweise in einigen Regionen die Prävalenzangaben des zumindest einmaligen Auftretens von Hämorrhoiden von 50 % revidiert und auf 75 % erhöht. Greifbare Motive für diese Entwicklung konnte indes noch keine Studie ermitteln. Augenscheinlich vermieden Abhandlungen zu diesem Thema aber die spezifische Rolle von Onlinebefragungen bei statistischen Erhebungen.

Die meisten Menschen schätzen die Anonymität bei solchen Verfahren wesentlich gesicherter ein als bei anderen, klassischen Umfragemethoden. Eventuell fällt es Probanden daher leichter, ehrliche Antworten auf pikante Fragen zu geben. Auch die möglicherweise fehlerhaften Selbstdiagnosen der Befragten tragen zur Verzerrung der Datenerhebung bei. Letztlich lassen tatsächlich verifizierbare Diagnosedaten keinen vergleichbaren Schluss zu: Die Fallzahlen zeigen sich hier relativ konstant.

Verwendung von Hämorrhoidalia

Medikamente zur Behandlung von Hämorrhoidalbeschwerden, sogenannte Hämorrhoidalia, werden in den westlich geprägten Ländern wesentlich häufiger verkauft, als die angenommene Prävalenz von Hämorrhoiden vermuten lässt. Der Gewinn der Pharmaindustrie mit diesen Mitteln liegt allein in den USA im Milliardenbereich, obgleich keine valide Wirksamkeit der Medikamente bisher bestätigt wurde. Es stellt sich daher die Frage, welche Bedingungen zu den vorliegenden erhöhten Verkaufszahlen führen. In erster Linie lassen sich hier Fehlurteile nennen: Die Möglichkeit sich im Internet problemlos über Krankheiten informieren zu, hat in einigen Fällen fehlerhafte Selbstdiagnosen zur Folge.

Insbesondere Hämorrhoiden sind in den Anfangsstadien auch vom Facharzt schwer zu bestimmen, da sie leicht mit einer Vielzahl an Gewebe verändernden Darmerkrankungen verwechselt werden können. Regelmäßig halten Patienten bereits kleine Risse im After für Hämorrhoiden und führen Behandlungen mit den überwiegend rezeptfreien Medikamenten selbst durch. Dieses Verhalten wird unter anderem durch Werbung für verschiedene Hämorrhoidalia noch bestärkt.

Doch ist eine Verwendung dieser Mittel teilweise nicht nur unnötig. Vielmehr kann sie ebenso zur Beschädigung der Rektumschleimhaut beitragen und in ungünstigen Fällen sogar der Auslöser eines Hämorrhoidalleidens sein.

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