Risikofaktoren

Risikofaktoren bei Hämorrhoiden

Tatsächlich laufen die wahrscheinlichen Ursachen einer krankhaften Veränderung der Hämorrhoiden und etwaigen damit korrespondierende Risikofaktoren nicht nur parallel zueinander, sondern überschneiden sich auch noch. Das macht die Sache gleichzeitig übersichtlicher und komplizierter. Ein Umstand, der in der Medizin keine allzu große Seltenheit ist. Dennoch ist man durchaus in der Lage, einige Risikofaktoren klar zu benennen und als solche anzusprechen. Hierzu gehören unter anderem:

Erbliche Vorbelastung

Sicherlich handelt es sich bei Hämorrhoiden nicht um eine klassische Erbkrankheit, dennoch ist nicht vollständig auszuschließen, dass es sich bei diesem Leiden durchaus um eines handeln könnte, das zumindest durch genetische Faktoren beeinflusst wird. Stichhaltige Beweise liegen hierfür allerdings (noch) keine vor. Nichtsdestotrotz lassen sich familiäre Häufungen beobachten. Hierfür allerdings können mehrere Gründe vorliegen.

Zum einen ist es möglich, dass nicht etwa die Gene bei der Entstehung eine Rolle spielen, sondern vielmehr die durch die Eltern erlernten Lebensverhältnisse. Viele Kinder leben nach, was man ihnen vorlebt und behalten bestimmte Muster auch im Erwachsenenalter, ob nun wissentlich oder unterbewusst, bei. Die allgemeine Lebensführung kann unter anderem ein Entstehen von Hämorrhoiden zumindest begünstigen. Darum ist es durchaus im Rahmen des Möglichen anzunehmen, dass die Kinder von Hämorrhoiden-Patienten nicht aufgrund ihrer Gene ebenfalls später im Leben an Hämorrhoiden erkranken, sondern schlicht, weil sie den krankheitsfördernden Lebensstil ihrer Eltern beibehalten haben.

Zum anderen können aber durchaus genetische Faktoren eine Rolle spielen, die schlicht und einfach von der Forschung noch nicht als solche erkannt worden sind.Alles in allem bleibt es abzuwarten, ob sich eine erbliche und / oder familiäre Vorbelastung günstig auf die Entstehung von Hämorrhoiden auswirken kann oder nicht. In diesem Punkte ist es an der medizinischen Forschung, weitere Erkenntnisse zu Tage zu fördern. Darüber hinaus ist es bestreitbar, ob man eine genetische Vorbelastung überhaupt als einen Risikofaktor ansehen sollte oder nicht.

Schließlich und endlich handelt es sich hierbei um nichts, dass effektiv vermieden werden könnte – zumindest nicht vom erblich belasteten Individuum. Es wäre in diesem Falle Sache der Eltern, ggf. auf Fortpflanzung zu verzichten, wenn sie darum wissen, dass das Risiko, ein krankes Kind zu zeugen zu hoch ist. Diese Debatte ist aber müßig und im Falle von krankhaft veränderten Hämorrhoiden dazu noch mehr oder wenig überflüssig, da Krankheit und Maßnahme in keinerlei Verhältnis zueinander stehen.

Falsches Verhalten beim Stuhlgang

Man kann nicht genug erwähnen, wie wichtig es ist, beim Gang zur Toilette auf korrektes und schonendes Verhalten zu achten. Man hilft damit nicht nur seinem Darm, sondern auch dem Rest seines Organismus. Tatsächlich könnte man die Tatsache, dass gerade in der westlichen Hemisphäre so viele Menschen an Hämorrhoiden leiden darauf zurückführen, dass in unseren Breiten dahingehend ein kulturelles Defizit vorliegt.

Die moderne Toilette, so wie wir sie kennen, ist die technische Fortführung mittelalterlicher Aborterker, barocker Leibstühle und antiker Cloacae – alle haben eines gemeinsam: Eine aufrechte Sitzhaltung während des Aktes. Das mag uns heute als vollends normal vorkommen, ist es aber auf keinen Fall. Es handelt sich hierbei um eine hochgradig unnatürliche und darüber hinaus denkbar ungeeignete Stellung zum Defäkieren.

Tatsächlich ist dies einer der Hauptgründe und einer der schwerwiegendsten Risikofaktoren, warum so viele Menschen heutzutage an Hämorrhoiden leiden.Die natürliche Haltung während des Defäkierens ist sehr stark divergent von der in unseren Zeiten propagierten. Unsere frühesten Vorfahren gingen schlicht in die Hocke und verrichteten auf diese Art und Weise ihr Geschäft. Das mag sich für viele Menschen befremdlich anhören, aber diese einfache und instinktive Technik erfüllte ihren Zweck.

Nicht nur muss man beim Abscheiden von Kot in der Hocke kaum bis gar nicht drücken oder pressen, um den Stuhl nach außen zu befördern, man erspart sich oftmals auch die Reinigung des Afters nach dem Gang. Dies liegt daran, dass die Gesäßbacken sich während des Hockens auseinander spreitzen, dadurch kommt es nicht zu einer Beschmutzung derselben mit Kot. Alles in allem hat diese Methode sehr viele Vorteile – was nicht weiter verwunderlich ist, wenn man bedenkt, dass die Art und Weise ist, die die Natur für unseren Stuhlgang vorgesehen hat.

In manchen Regionen dieser Welt minimiert man, sei es nun wissentlich oder unwissentlich, den gerade beschriebenen Risikofaktor durch die Verwendung sog. „Hocktoiletten“. Hierbei handelt es sich um Aborte, die auf Bodenhöhe angebracht sind und es somit erforderlich machen, dass man sich hinhockt und sich nicht hinsetzt. Besonders in Frankreich und Italien waren diese Toiletten noch bis in die 1980er Jahre weit verbreitet. Heutzutage findet man sie nur mehr im arabischen Raum und in einigen asiatischen Ländern.

Viele Menschen aus westlich geprägten Gefilden empfinden Toiletten dieser Bauart als seltsam und unhygienisch – dabei ist genau das Gegenteil war. Tatsächlich lassen sich durch die Benutzung von Hocktoiletten sowohl der Verbrauch von Toilettenpapier senken, als auch das Risiko an Hämorrhoiden zu erkranken.Wer dennoch nicht auf seine gewohnte Toilettenform verzichten möchte, kann im Zweifel und zwecks Minimierung des allgemeinen Krankheitsrisikos auch noch auf andere Mittel zurückgreifen. Hierzu gehören unter anderem sog. „Toilettenhocker“.

Es handelt sich hierbei um kleine zumeist aus Plastik gefertigte Hocker, auf die man die Beine während des Defäkierens aufstellen kann. Dadurch bewegt sich der Körper in eine allgemein bessere Stellung und das Abscheiden von Kot wird merklich erleichtert. Wer also sein Risiko zumindest etwas mindern möchte, ist mit der Anschaffung eines solchen Hockers gut beraten.

Vorerkrankungen

Ein oftmals unterschätzter Risikofaktor sind Erkrankungen, die den Darm und / oder den Magen befallen, seltener auch den Anus direkt. Tatsächlich sind es zumeist derartige Leiden, die die Entstehung von Hämorrhoiden überhaupt erst möglich machen. Solches gilt insbesondere dann, wenn es sich um Gebrechen handelt, die chronische Durchfälle oder Verstopfungen nach sich ziehen.

Darum sollte man diese Leiden um keinen Preis auf die leichte Schulter nehmen.An dieser Stelle sind insbesondere parasitäre Durchfallerkrankungen zu nennen, wie man sie sich beispielsweise sehr oft im Urlaub zuziehen kann. In weniger gut entwickelten Gebieten kommt es weitaus häufiger zu Ansteckungen mit durchfallauslösenden Erregern. Dies liegt nicht zuletzt an der mangelnden Hygiene. Insbesondere eine Kontamination der Nahrung oder des Wassers mit Kotpartikeln kann hierbei ein sehr großes Risiko einer Ansteckung darstellen.

Personen, die in Gemeinschaften leben, die über keinen Anschluss an die Kanalisation verfügen und darum auf die Verwendung von Plumpsklos angewiesen sind, haben besonders häufig mit diesem Problem zu kämpfen. Es ist sehr schwierig für diese Personen, nicht mit dem Kot anderer Menschen in direkten Kontakt zu kommen. Tatsächlich war auch dies in Europa lange Zeit ein sehr großes Problem. Erst mit dem Aufkommen der Kanalisation zu Beginn des 20. Jahrhunderts besserte sich diese Situation.

Auch die Landwirtschaft dieser Regionen stellt oftmals ein sehr großes Ansteckungsrisiko dar. Insbesondere dann, wenn man die Felder mit Mist und menschlichem Kot düngt. Dies kann in Ermangelung künstlichen Düngemittels durchaus der Fall sein. Zwar düngen auch europäische Bauern ihre Felder mit Mist, nicht aber mit menschlichen Exkrementen. Diese sind oftmals zu stark belastet, um als Dünger in Frage zu kommen. Gemüse und andere Erzeugnisse dieser Felder sind nur mit größter Vorsicht zu genießen.

Neben Durchfallerregern können sich auch Bandwurmeier und sonstiges darin befinden. Dies sollten sich vorallem Touristen vor Augen führen, die auf Urlaub in weniger gut entwickelte Regionen der Erde gehen. Dasselbe gilt auch für Trinkwasser. Darum nur Wasser aus Flaschen konsumieren oder aus Brunnen, von deren Sauberkeit man überzeugt ist.Ein parasitärer Befall also, der zu einem chronischen Durchfall führt, kann im Endeffekt dafür Sorge tragen, dass die betroffene Person krankhafte Veränderungen der Hämorrhoiden erleidet. Es ist also immer und tunlichst darauf zu achten, dass man sich so gut als irgend möglich vor etwaigen Erregern schützt. Insbesondere aber vor solchen, die die Gesundheit des Darms gefährden.

Weitere Gründe für eine dauerhafte Diarrhö können u.a. sein

  • Viren – Viren, die Durchfälle bedingen können, sind unter anderem Norwalk Viren, der Cytomegalovirus sowie virale Hepatitis. Darüber hinaus sind Rota-Viren besonders häufig für akute Diarrhö bei Kindern verantwortlich.
  • Bakterien und Parasiten – Kontaminierte Nahrungsmittel under Getränke können dafür verantworlich sein, dass durchfall-auslösende Bakterien oder Parasiten in den Körper gelangen. Parasiten wie Kryptosporidien oder Giardia lamblia treten hierbei besonders häufig in Erscheinung. Häufig verantwortliche Bakterien sind dabei unter anderem Campylobacter, Salmonellen und E-Coli. Vornehmlich begegnen Personen der ersten Welt diesen Bakterien und Parasiten auf längeren Fernreisen. Darum bezeichnet man Durchfälle im Urlaub auch landläufig als „Reisedurchfall“ oder „Montezumas Rache“.
  • Medikamente – Viele Medikamente verursachen Durchfälle als eine mögliche Nebenwirkung. Hierzu gehören vorallem Antibiotika und ebenso viele Krebsmedikamente.
  • Unverträglichkeit gegenüber Laktose – Bei Laktose handelt es sich um einen speziellen Milchzucker, den viele erwachsene Personen nicht vertragen. Konsumieren sie dennoch Milch oder Milchprodukte kommt es deswegen zu Abwehrreaktionen des Körpers, die sich nicht selten als Durchfälle präsentieren.
  • Fruktose – Ähnlich wie bei der Laktose, gibt es auch Personen, die unter einger Unverträglichkeit gegenüber von Fruktose leiden. Hierbei handelt es sich um die natürlich in Obst und Honig vorkommenden Zucker. Auch diese können ggf. Durchfälle zur Folge haben.
  • Künstliche Süßungsmittel – Gewisse künstliche Süßstoffe verursachen Diarrhö, wenn man sie in zu großen Mengen aufnimmt. Hierunter fallen insbesondere zuckerfreie Kaugummis und Bonbons.

Fazit

Wer seinen gesunden Menschenverstand benutzt und den etwaigen und potentiellen Risiken, die zu einer Entwicklung von Hämorrhoiden führen können, nach Möglichkeit ausweicht, wird zwar sicher nicht vollends immun gegen dieses Leiden, verbessert seine Chance aber dennoch sichtlich, keine Hämorrhoiden auszubilden. Nichtsdestotrotz sollte man sich niemals vollkommen sicher wähnen und auch zunächst nicht verwandte Erkrankungen des Magen und des Darmes als potentielle Auslöser einer späteren Erkrankung mit Hämorrhoiden wahrnehmen und darum nicht unbehandelt oder gar unbeachtet lassen.

Hämorrhoiden bilden sich zumeist eher langsam aus und sind deshalb relativ anfällig gegenüber den diversen Einflüssen, die verschiedenste Darmerkrankungen haben können. Nicht zuletzt darum kann es hilfreich und nützlich sein, sich hin und an dahingehend untersuchen zu lassen, auch wenn zunächst kein direkter Verdacht besteht, dass man an der vorliegenden Erkrankung leidet.

Abschließend also kann man behaupten, dass es zwar nicht möglich ist, eine 100%ige Sicherheit zu erzeugen, auch nicht durch die vollkommene Vermeidung aller potentieller Risikofaktoren, insofern dies überhaupt möglich sein sollte, dennoch kann man einiges tun und damit zumindest die Chance auf die Ausbildung krankhaft veränderter Hämorrhoiden senken – was durchaus im Interesse des Individuums liegen sollte.

Bitte bewerten Sie diesen Artikel
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (82 Stimmen, Durchschnitt: 4,32 von 5)
Loading...